Nach einem Monat

 

Wie schnell es doch geht, wir haben bereits November und ich bin seit einem Monat im Kosovo. Vorne weg: es geht mir immer noch sehr gut und es gefällt mir nach wie vor. Die Arbeit macht mir Spass und das Team ist immer noch grossartig. 

Inzwischen ist auch etwas der Alltag eingekehrt und es nicht mehr alles neu und super aufregend wie noch zu Beginn. Die Arbeit geht uns allerdings nicht aus. Es ist ständig etwas los und wir kriegen nach wie vor regelmässigen Besuch, aber auch hier sind wir inzwischen Profis und können uns auch kurzfristig arrangieren. 

Der Austausch mit der Lokalbevölkerung ist sehr spannend. Die Dinge laufen hier etwas anders als in der Schweiz, was ich sehr sympathisch finde. So können wir die Meetings mit den Leuten, die wir treffen wollen, nicht schon zwei Wochen im Voraus abmachen, sondern eher so ein bis zwei Tage vorher. Diese Spontanität finde ich super, weil dies heisst, dass man auch je nach Situation noch Dinge anpassen kann. 

Hier einmal ein kleines Muster dieses anderen Lebens: Letztens hatte ich unter der Woche einen Dayoff, weil ich am Sonntag auf Pikett war. Pikett bedeutet, man muss bereit sein, auszurücken und beobachten zu gehen, falls etwas passiert. Ich war die Einzige im Team, die an diesem Tag frei hatte. Da ich also nichts Besseres zu tun hatte, ging ich mit unserem Warrant Officer, das ist der, der sich um unsere Finanzen und die Logistik kümmert, die Wasserrechnung bezahlen. Das funktioniert hier so: der Vertreter der Wasserfirma kommt zu uns, liest den Wasserstand ab und gibt uns dann eine Rechnung. Mit dieser Rechnung müssen wir dann ins Büro der besagten Wasserfirma, um sie dort zu bezahlen. Wir haben uns also auf den Weg gemacht und nur deswegen einen Umweg gemacht, um die Umgebung besser kennenzulernen :) Die Wasserfirma ist eher am Rande der Stadt, aber die Stadt ist nicht besonders gross, also waren wir in zehn Minuten Fussmarsch da. Es gibt dort auch noch eine Brücke, welche nicht fertig gebaut ist, weil die eine Seite die Arbeiten blockiert. Einfach damit ihr euch ungefähr vorstellen könnt, wo wir waren. Bei der Wasserfirma angekommen, sind wir in das eher alte Gebäude eingetreten und es sah ein Bisschen aus wie in einem alten Film. Es gab zwei Leute am Schalter, denen wir versucht haben zu erklären, was wir genau wollen. Das internationale Zeichen für «Geld» hat dann geholfen. Wir gingen in den ersten Stock in ein Büro. Dort sass ein Mann, der gemütlich seine Zigarette im Büro rauchte. Wir gaben ihm die Rechnung und das Geld. Er übertrug die Angaben in ein Quittungsbüchlein und dann nahm er das Rückgeld hervor. Das Münz bewahrte er in einer abgeschnittenen Pet-Flasche auf und die Noten in einem Couvert. Ich musste etwas schmunzeln als ich das gesehen habe, aber ich meine das System funktioniert. Wir hatten bisher nur einen Wasserunterbruch, aber das hat mehr mit den Differenzen zwischen der Wasser- und der Elektrizitätsfirma zu tun als mit etwas anderem. Und der Unterbruch wurde auch sehr schnell wieder behoben. 

Ansonsten ist das Leben hier derzeit nicht so spektakulär. Am Morgen haben wir jeweils ein Briefing, an dem wir über die aktuellen Ereignisse informiert werden und sehen, was den Tag über so läuft. Dann haben wir entweder ein Meeting, House Duty oder gehen anderen Tätigkeiten nach. Am Mittag steht dann etwas Leckeres auf dem Tisch, weil die Personen im House Duty für das Mittagessen zuständig sind. Manchmal essen wir aber auch auswärts, weil es sich anbietet oder um noch etwas mit den Übersetzern etwas zu besprechen. Am Nachmittag geht es dann ans Rapporte schreiben. Auch hier werden wir immer besser und es gibt nicht mehr so viele offene Fragen. 

Nachdem die Rapporte weg sind, haben wir dann Zeit für uns. Diese verbringe ich meistens mit Sport. Wir haben ein kleines Gym im Haus, welches mit den nötigsten Dingen ausgestattet ist, um fit zu bleiben. Und ja ich mache sicher vier- bis fünfmal die Woche Sport :)

Abends essen wir ebenfalls meistens gemeinsam. House Duty sorgt auch hier dafür, dass wir nicht hungern müssen. Das ist System ist super, weil so wird aufgeteilt, wer wann kocht und die Küche aufräumt und es sind nicht immer die gleichen. Meistens schauen wir dann noch gemeinsam eine Serie. Nachdem wir mit Band of Brothers durch sind, schauen wir nun The Pacific. Hierbei merkt man schon, dass wir im Militär sind, es sind beides Serien, welche sich um den zweiten Weltkrieg drehen. Es ist immer sehr gemütlich und es ist schön, dass wir solche gemeinsamen Dinge machen. 

Ansonsten gibt es eigentlich nicht viel zu erzählen. Am Sonntag war ich etwas müde, weil wir am Abend vorher von einer anderen Armee in einem der Camps zu einem Apéro eingeladen waren und dann gleich im Camp übernachtet haben. Es war spannend sich mit den Soldaten der anderen Armee auszutauschen. Deswegen ist jetzt Mittwoch und ich sitze spät abends an diesem Blogbeitrag mit einem Bier neben mir. 

Soldat Vögeli geniesst jetzt noch ihr Bier und geht dann schlafen.